Die Geschichte Ungarns unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Geschichte der Länder, aus denen die Jagdgäste in unser Land zu reisen gedenkt. Bis zum Zweiten Weltkrieg ähnelten die Struktur der Ländereien, die Besitzverhältnisse und damit auch das Schicksal der Jagd in vielerlei Hinsicht der Struktur des ländlichen Raums in demokratischen Ländern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Land jedoch unter sowjetische Herrschaft und das Schicksal des Privateigentums war besiegelt. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden verstaatlicht und die Produktion wurde von landwirtschaftlichen Genossenschaften übernommen, die in jedem Dorf gegründet wurden. In den Wäldern wurden staatliche Forstbetriebe gegründet, die für die Wildwirtschaft in den Wäldern in ihrem Zuständigkeitsbereich verantwortlich waren. Von Anfang der 1960er Jahre bis zum Regimewechsel im Jahr 1989 bauten die Forstbetriebe in den ungarischen Wäldern zahlreiche prächtige Jagdhäuser. Die Erfolge der Jagdgäste aus diesen Jagdhäusern legten den Grundstein für den gut Ruf der ungarischen Jagd, der in westeuropäischen Jagdkreisen noch heute gültig ist.
Eine der Glanzzeiten der ungarischen Jagd in der jüngeren Vergangenheit dauerte von den 1960er bis 1989. Dafür gab es mehrere Gründe. Der vielleicht wichtigste war, dass es kein Privateigentum und damit auch keine Wildschäden im kapitalistischen Sinne gab. Die Bauernorganisationen regelten die Wildschäden unter sich. Die Wildhüter hielten große Wildbestände und aus diesen großen Populationen entstanden die Plus-Varianten nach dem Gesetz der großen Zahlen: Rothirsch Weltrangliste Platz 3, Karapancsa, 1986 271 IP, Weltrangliste Platz 7, Pusztakovácsi 1981. 269,89 IP.
Zwischen 1970 und 1987 gab es ein Wiederansiedlungsprogramm für Damwild, bei dem an 81 Stellen im Land Damwild wieder angesiedelt wurde.
In den weniger bewaldeten Regionen wurden Jagdgesellschaften gegründet, in denen sich die Einheimischen ihrer Leidenschaft widmen konnten, und da damals jeder angestellt war, gab es keine großen Unterschiede zwischen den Mitgliedern einer Jagdgesellschaft, sie konnten gut zusammenarbeiten und hatten Freizeit, da sie feste Arbeitszeiten hatten. Viele dörfliche Jagdgesellschaften errichteten Fasanenfarmen und setzten so viele Fasane aus, dass sie Jagden veranstalteten, bei denen man die erlegten Tiere abgeben musste und an einem Wochenende Hunderte von erlegten Vögeln an den staatlichen Jagdaufkäufer (MAVAD) geliefert wurden.
Leider ist der natürliche Bestand an Niederwild zu dieser Zeit bereits zurückgegangen, was auf den intensiven landwirtschaftlichen Anbau, bzw. die Anwendung von Chemikalien zurückzuführen ist. Daher wurde ein Fasanenzuchtprogramm gestartet und die Jagdberechtigten wurden bei der Einrichtung von Niederwildfarmen unterstützt.
Auch die politische Elite jagte, Protokollgebiete wurden unterhalten, von denen mein Vater eines betreute. Er war für die Organisation professioneller groß angelegter Fasanenjagden zuständig. 1966 erhielt er den Auftrag, eine Zuchtfarm für Niederwild im Wald Lenes (600 Hektar) einzurichten und in diesem Wald mit den dort aufgezogenen Vögeln groß angelegte Fasanenjagden zu organisieren. Mit Erfolg: Im Januar 1987 wurden an einem Tag 8974 Fasanenhähne von 14 Jägern erlegt. Das ist nun Teil der Jagdgeschichte.
1989 kam der Regimewechsel
Zum Glück für den ungarischen Wildbestand wurde die Privatisierung der staatlichen Forstbetriebe nicht durchgeführt, so dass es bis heute in den großen Staatswäldern eine einigermaßen einheitliche Wildbewirtschaftung gibt. Durch das Entstehen des Privateigentums fiel die Bewertung der Wildschäden offensichtlich in eine völlig andere Kategorie. So wurde mit der Verringerung des Wildbestandes und dem Bau verschiedener Wildschutzzäune begonnen.
Die Form der Jagdgesellschaften blieb bestehen und auch im neuen Jagdgesetz von 2017 wurde die Mindestgröße eines Jagdgebiets auf 3.000 Hektar festgelegt. Ich denke, das ist gut für den Wildbestand. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige ungarische Wildbewirtschaftung sind also erhalten geblieben.
Der Regimewechsel führte zu einer kompletten Umstrukturierung der ungarischen Gesellschaft: Während es in den westeuropäischen Gesellschaften Jahrhunderte dauerte, bis sich das Landbesitzsystem zu dem entwickelte, was es heute ist, dauerte es in Ungarn nur wenige Jahre.
Viele derjenigen, die auf dem Land lebten, waren nach der Auflösung der landwirtschaftlichen Genossenschaften gezwungen, in die Stadt zu ziehen oder im Ausland zu arbeiten, und gaben daher die Jagd auf.
Viele Menschen, die Landbesitz erworben hatten, begannen jedoch mit der Jagd, so dass die Zahl der Jäger erhalten blieb.
Im Allgemeinen ist die Qualität der von den staatlichen Forstbetrieben erbrachten Jagddienstleistungen gut. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie über die Jagdrechte für die größten Waldgebiete verfügen, bzw. aufgrund ihrer forstwirtschaftlichen Tätigkeit ein hohes Maß an wirtschaftlicher Stabilität aufweisen.
Die meisten Jagdausübungsberechtigten, die als Jagdgesellschaften tätig sind, verkaufen Jagdgelegenheiten, um ihre jährlichen Mitgliedsbeiträge, bzw. die Einnahmen aus dem Verkauf von Wildbret zu ergänzen.
Die Qualität dieser Jagden ist sehr unterschiedlich: an manchen Orten bewegt sich das Wild erst nach Sonnenuntergang, aber es gibt auch private Jagdgesellschaften, die hervorragende Jagdmöglichkeiten anbieten.
Jagdregionen in Ungarn
Hinsichtlich der bejagbaren Wildarten lässt sich das Gebiet Ungarns grob in 3 verschiedene Regionen unterteilen:
- Dunántúl (Tansdanubien)
- Mittelgebirgsregion
- Alföld (Große Tiefebene)
Dunántúl (Tansdanubien)
Dunántúl, das heißt der Teil des Landes westlich der Donau, der im Osten von der Donau und im Norden, Westen und Süden von der Staatgrenze begrenzt wird.
Das Gelände hier ist hügelig, mit einer abwechslungsreichen Landschaft aus Tälern, Hügeln, Bächen, kurvenreichen Straßen, durch Talsperre aufgestauten Seen, es gibt aber auch größere flache Gebiete wie z. B. Mezőföld, Kisalföld, aber diese sind weniger typisch.
Die Region Transdanubien wird durch das Transdanubische Mittelgebirge in zwei Teile – die Region des Transdanubischen Hügellandes im Süden und die Region der Kleinen Ungarischen Tiefebene (Kisalföld) im Norden – geteilt.
Das Mittelgebirge Mecsek befindet sich nördlich der Stadt Pécs, während das Mittelgebirge Alpokalja an der westlichen Grenze des Landes liegt. Bezüglich der bejagbaren Wildarten verschmelzen diese beiden Regionen ebenfalls mit der Region Transdanubien.
Die vier bejagbaren Großwildarten sind fast überall in Transdanubien anzutreffen: Rothirsch, Damwild, Wildschwein und Reh. Größere Population von Mufflons ist nur in der Region Transdanubisches Mittelgebirge nördlich des Plattensees zu finden.
Die beste Rothirschpopulation ist eindeutig im Südtransdanubien zu finden.
Die typischen Wälder bestehen aus Stieleichen, Zerreichen, Traubeneichen. In ärmeren Wuchsgebieten sind Akazien und in der Mittelgebirgsregion, bzw. in kühleren, feuchteren Wuchsgebieten sind Buchen zu finden.
Mittelgebirgsregion
Das Gebirge verläuft von der Westspitze des Plattensees bis in die nordöstliche Ecke des Landes: Westlich der Donau wird es Transdanubisches Mittelgebirge, östlich der Donau als Nördliches Mittelgebirge genannt.
Zwei getrennte Mittelgebirgsregionen sind Mecsek und Alpokalja (Voralpen).
Die typischen Wälder bestehen aus Traubeneichen, Zerreichen, Hainbuchen und Buchen in der höheren Region.
In dieser Region kommen alle fünf bejagbaren ungarischen Wildarten vor. Typischerweise ist der Rothirsch mit mittlerer Trophäengröße, das Muffelwild – außer in der Region Mecsek und Voralpen – überall zu finden, mit besten schneckenförmig eingedrehten Hörner in der Region oberhalb des Plattensees. Damhirsche leben inselartig, Rehe mit mittleren Trophäengrößen.
Der Wildschweinbestand ist in dieser Mittelgebirgsregion aufgrund der afrikanischen Schweinepest am stärksten zurückgegangen.
Alföld (Große Tiefebene)
Die Große Tiefebene ist die ungarische Landschaft, die Puszta, wo man fast bis ins Unendliche sehen kann, zumindest war das früher so. Sie verläuft östlich der Donau bis in die Ostkarpaten.
Nach dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union wurden zahlreiche Aufforstungsprogramme angekündigt, in deren Folge nacheinander Waldstreifen und kleine Waldstücke in der Großen Tiefebene entstanden. Das Landschaftsbild wird jedoch nach wie vor von großen landwirtschaftlichen Flächen, Weiden und Ödland dominiert.
Die typische Großwildart in der Tiefebene ist das Rehwild, die größte Population, die besten Trophäenmassen kommen aus dieser Region.
Auch das Niederwild spielt in dieser Region die wichtigste Rolle, doch leider geht der natürliche Niederwildbestand aufgrund der großflächigen landwirtschaftlichen Anbaus, der Monokulturen und des massiven Einsatzes von Chemikalien immer mehr zurück. Um dem entgegenzuwirken, setzen viele Jagdgesellschaften Fasane frei und geben so ihren Jagdgästen und sich selbst die Möglichkeit, im Winter Niederwild zu jagen.

